Dienstag, 9. Januar 2018

Warum ich kein TFP* mehr mache


Gut… so gesehen: Ganz richtig ist die Äußerung auch nicht. Ich bin durchaus noch für TFP-Shootings verfügbar, aber eben nur dann, wenn die Umstände passen. Aber was für Umstände sind das genau? Hier mal ein kleiner Einblick in mein bescheidenes Leben.

Als ich angefangen habe, als Model vor der Kamera zu stehen, hatte ich kaum Erfahrung. Ich war Studentin in Münster und war dabei, im Leben selbständig zu werden. Ich dachte mir, das mit dem Modeln probiere ich doch mal aus. Es gab damals ja schon die Modelkartei. Das Profil war schnell erstellt, nachdem ich erste Bilder hatte, die sich zeigen lassen konnten. Die ersten Bilder sind im Rahmen eines Tanzauftrittes für eine Industrialband entstanden.  Ich habe mich immer gefreut, wenn Fotografen mit mir arbeiten wollten, um hinterher schöne Bilder zu bekommen. Ich kam schon recht früh mit sehr vielen Bereichen der Fotografie in Berührung. Von Portrait- bis Akt- und Fetischaufnahmen war so ziemlich alles dabei. Mit dem, was ich tue, Geld zu verdienen, stand bei mir nie im Vordergrund. Schließlich hatte ich ja einen Job, von dem ich gut leben konnte. Meine Ausgaben waren nicht besonders hoch, demnach war also alles easy. Ich hatte aber durchaus die Möglichkeiten, nebenbei Geld zu verdienen. Das war dann sicherlich ganz nett, schließlich arbeitete ich ja auch nicht für meine eigenen Projekte, sondern war dann als Model für Workshops gebucht. Egal ob Nebenverdienst oder nicht: Ich habe immer mit Fotografen auf TFP-Basis gearbeitet. Es ging mir darum, gute Ergebnisse zu erzielen und Bilder für mein Portfolio zu haben. Ich bin oftmals weit gereist – mehrere 100 km. Sätze wie: „Du bist zu weit weg“ existierten bei mir nicht. Wenn ich etwas wollte, habe ich es mir schlichtweg genommen und habe entsprechend investiert. Geld, Zeit und Energie.

Mittlerweile haben sich viele Dinge geändert. Eigene Wohnungen hatte ich zwar durchaus schon, aber es ist so gesehen das erste Mal, dass ich die Kosten alleine tragen muss. Die früheren Wohnungen / Zimmer waren entweder entsprechend günstig oder die Kosten wurden geteilt. Ich habe momentan einen Job, der nicht gut bezahlt wird, die Ausgaben sind durch Wohnung, Auto etc.pp. entsprechend hoch. Wenn man in der Situation ist wie ich, dann überlegt man sich, wie sich zusätzlich Geld verdienen lässt. Also schreibe ich entsprechend aus und biete die Zusammenarbeit als Model für Fotografen an. Fotografen, die Models suchen, gibt es genug. Die Frage ist nur, wie hoch der Preis sein soll. Die meisten wollen den Preis = o. Sehr wahrscheinlich deswegen, weil sie mit der gleichen Motivation an die Arbeit heran gehen, wie ich früher: Gute Bilder. Es geht um den Spaß, es ist ein Hobby.

Nur wenige Menschen haben ein Verständnis dafür wie es ist, kaum oder gar kein Geld zu haben. Verzicht oder etwas zu opfern sind für die meisten Menschen Fremdworte. Schlichtweg aus dem Grund, weil sie noch nie in der Situation waren, wie ich und Tausende andere auch. Und eben weil ich meine Situation am besten kenne und alles tun möchte, um daran etwas zu ändern, gebe ich diese Opfer: Ich habe mein Hobby aufgegeben um was zu tun? Überleben! Das mag hoch dramatisch klingen, aber nur so verstehen es die Menschen. Traurig, aber leider wahr.

Ich würde wahnsinnig gerne wieder mehr Zeit für Fotos investieren, aber momentan kann ich es mir einfach nicht leisten. Da sind Outfits, die geplant und eventuell vorher besorgt werden und Fahrtkosten, die getragen werden müssen. Davon abgesehen: Opfere ich einen Tag für Freude und Spaß, dann fehlt mir ein Tag, an dem ich Geld verdienen kann. Und das ist bei mir momentan nicht drin. Und ja, diese Gewissheit tut weh. Es tut weh, dieses Opfer geben zu müssen, aber so ist nun einmal das Leben.

Da ich aber weiß, dass ich als Model durchaus Geld verdienen kann, biete ich es entsprechend an. Wer sich mit meinen Referenzen einmal auseinander gesetzt hat und auch meine Bilder kennt, wird verstehen, was ich meine.  Dieses Angebot kann man entweder wahrnehmen oder man lässt es bleiben. Nicht mehr, nicht weniger. Und wer unbedingt schöne Bilder für lau mit mir machen möchte, kann mir gern entgegen kommen und vielleicht anbieten, einen Teil der Kosten zu bezahlen – nur um das ganz deutlich zu machen: Ich erwarte das keineswegs! Es wäre dennoch eine Idee, aber darauf kommen auch nur die wenigsten.

Wer also nicht dazu bereit ist, Kompromisse einzugehen, der muss mit leeren Händen weitergehen. Aber ich bin für mein eigenes Leben selbst verantwortlich und stecke mir Ziele und Prioritäten selbst. Freude und Spaß: Alles schön und gut. Aber wenn ich am Ende da sitze und weder mich, noch meine Katzen ernähren kann, ist damit niemandem geholfen. Oder sehe ich das etwa falsch?

Und für alle die, die jetzt sagen: Dann such dir einen besseren Job, dem strecke ich großzügig den Mittelfinger entgegen. Sei gerne mal in meiner Situation, gebe gern mal all deine Energie für nichts, mache mal ein bis zwei Jobs noch nebenbei. Kennste nicht? Komisch…

Und nein, dieser Beitrag soll kein – wie sagt man heute so schön… - „Mimimi“ (wer hat sich diesen Schwachsinn eigentlich ausgedacht?) - Beitrag sein. Er sagt schlicht die Wahrheit und soll dem einen oder anderen die Realität aufzeigen. Es mag viele Mädels geben, die sich für unwiderstehlich halten, keinen anderen Job haben und die Hände entgegenstrecken. So etwas nennt man pure Geldgeilheit. Ich hingegen gebe ein Opfer – ein sehr großes sogar – damit ich mehr Zeit zum Arbeiten habe. Mit „Arbeiten“ meine ich übrigens nicht monetäre Arbeit, sondern Arbeit an der Gesamtsituation. Es wird demnächst noch weitere Veränderungen geben. Der große Unterschied ist aber der, dass ich dazu bereit bin, mich auf diese Veränderungen einzulassen, weil ich mein Leben verändern möchte. Ich probiere gerne Neues aus und sehe am Ende, ob es sich gelohnt hat oder nicht.


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Elsi



*TFP = Die Bezeichnung time for prints (
englisch, kurz: TFP, auch time for pictures) steht in der Fotografie für eine Vereinbarung zwischen einem Fotomodell und einem Fotografen, bei der das Modell nicht mit einer Gage, sondern mit den Resultaten der Fotoaufnahmen für seine Dienste entlohnt wird. (aus: Wikipedia)

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