Sonntag, 9. Oktober 2016

Wunschdenken vs. Realität: Als Model ist doch alles cool, oder?

Wenn man sich überlegt, was man als Model eigentlich so alles macht und was es heißt, Model zu sein, dann wird man sich sehr wahrscheinlich folgendes denken:

  • Als Model ist man begehrt
  • Als Model verdient man richtig viel Geld
  • Wenn man gut aussieht, fliegen einem die Angebote nur so zu
  • Man hat eigentlich nicht wirklich viel zu tun, steht vor der Kamera, wird fotografiert und bekommt DAFÜR Geld
  • Man kommt ganz groß raus

Wenn ich euch jetzt aber sage, dass der Alltag ganz anders aussieht und man sehr viele verschiedenen Dinge unter einen Hut bringen muss, würdet ihr mir das so einfach glauben? Ich finde es sehr wichtig, darüber zu sprechen, ggf. ist das auch hilfreich für diejenigen, die selber gern vor der Kamera stünden, um Geld zu verdienen, groß rauszukommen etc. Dass sich das allerdings viel mehr um ein Wunschdenken handelt, ist vielen gar nicht so bewusst. Die Realität sieht oftmals ganz anders aus und darum soll es in diesem Beitrag gehen.


Zu Punkt 1: Als Model ist man begehrt

Ist das wirklich so? Ich habe manchmal das Gefühl, dass es Männer gibt, die so ziemlich alles anbaggern, was nach Frau aussieht – aber davon einmal abgesehen. Die meisten bekommen irgendwie mit, das ich als Model vor der Kamera stehe. Oftmals handelt es sich um Onlineplattformen, auf denen ich meine Bilder präsentiere. Ich gebe auch öffentlich bekannt, nebenberuflich, aber auch hobbymäßig vor der Kamera zu stehen. Bilder ziehen natürlich an und wenn die Bilder dann auch noch erotisch sind, dann zieht das noch mehr Aufmerksamkeit auf sich. Was die allerwenigsten berücksichtigen ist, dass es sich bei einem Bild um ein Resultat handelt, welches während einer Zusammenarbeit mit einem Fotografen entstanden ist. Sprich, man hat sich vorher Gedanken dazu gemacht. Der Fotograf wollte gerne ganz besondere Bilder haben, weil er Ideen hatte und ich habe dafür mein Einverständnis gegeben. Es kommt auch mal vor, dass ich eine Idee habe und den Fotografen von dieser überzeugen kann. Also setzt man sich zusammen, erstellt ein Konzept und vereinbart ein gemeinsames Shooting. Die entstehenden Bilder dienen dazu, mein Portfolio zu erweitern und ich habe die Berechtigung, sie beliebig zu veröffentlichen und eben zu Präsentationszwecken zu nutzen.

Und natürlich zeige ich diese Bilder auch. Sie gehören zu meiner Persönlichkeit und verheimliche eben auch nicht, was ich in meiner Freizeit so tue. Und oftmals bekommt man dann zu lesen, man sollte sich doch nicht wundern, eindeutige Anfragen zu bekommen, wenn man entsprechende Bilder von sich zeigt. Ist also die Arbeit als Model zwangsläufig gleichbedeutend mit leicht zu haben oder sexuell empfänglich? Leider reduziert sich das sehr schnell auf eine oberflächliche Basis. Es kann also sein, dass Models in der Tat begehrt sind. Je mehr man von sich zeigt, desto begehrter sind sie anscheinend und – davon geht man automatisch aus – desto mehr kann man anscheinend mit ihnen anstellen. Ich weiß nicht, wie das männliche Gehirn genau funktioniert, aber an dieser Stelle scheint es auszusetzen... Ein Mädel oder eine Frau, die als Model arbeitet, ist genauso Mädel oder Frau wie jede andere auch. Als solche möchte sie gerne behandelt werden – mit Respekt. Der Unterschied mag nur daran liegen, dass ich gesellschaftliche Grenzen überschreite, denn man zeigt sich nicht so einfach in Unterwäsche oder nackt – das ist das denken der Allgemeinheit. Ich habe ein anderes Hobby als vielleicht viele andere und das macht mich als Person aus. Noch dazu nutze ich viele Plattformen auch als Model, weil es in vielen Punkten einfach sinnvoll ist.


Zu Punkt 2 und 3: Als Model verdient man ganz viel Geld und je besser man aussieht, desto mehr Aufträge fliegen einem zu:

Das ist eindeutig FALSCH. Es mag sein, dass es Modelle gibt, denen Aufträge zufliegen und die sich ihren Lebensunterhalt verdienen können. Kolleginnen, die ich kenne und meine Wenigkeit gehören zu dieser Sparte allerdings nicht. Einige sind in einer oder mehreren Agenturen gelistet, dazu gehöre ich auch. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man auch die Garantie hat, von Kunden gebucht zu werden. Agenturen gibt es unheimlich viele und die meisten stellen Konditionen, welchen der Großteil schon einmal nicht entspricht. In einer Agentur sind zudem viele Modelle gelistet, aus denen ein Kunde auswählen kann. Er sucht sich natürlich diejenige oder denjenigen aus, die oder der eher zu seinen Vorstellungen passt.

Eine andere Möglichkeit ist, sich Jobs selbst zu suchen, dafür gibt es entsprechende Plattformen. Dort kann man sich entweder auf Ausschreibungen bewerben oder man schreibt selbst aus: Man ist zufälligerweise an einem Ort und bietet die Zusammenarbeit an, zum Beispiel. Oft ist es allerdings so, dass sich niemand meldet oder – im Falle einer Bewerbung – gar keine Antwort kommt. Man ist leider darauf angewiesen, dass jemand zuverlässig genug ist, um Bewerbungen entsprechend zu beantworten. An der Kommunikation scheitert es sehr oft, eben weil sie oft gar nicht besteht. Also wie war das nochmal: Als Model verdient man viel Geld: Wenn man keiner renommierten Agentur angehört, oftmals keines oder nur sehr wenig, ggf. ein bisschen Taschengeld, aber das war es oft auch schon. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. In meinem Falle ist es aber so, dass ich nicht alle Aufnahmebereiche anbiete und auch noch einen Hauptjob habe, mit dem ich mein Geld verdiene und der mir Sicherheit gibt. Somit bin ich in der Situation, nicht unbedingt auf das Geld angewiesen zu sein. Ich wusste im Vornherein schon, was mich erwartet. Die Aufträge fliegen den Modellen eben auch nicht einfach so entgegen. Eingeninitiative, Engagement und Aktivität sind ganz wichtige Punkte wenn es darum geht, mal einen interessanten Job zu ergattern. Oft ist es nämlich so, dass man eine Anfrage bekommt – ein Angebot – welches man annehmen kann. Aber so etwas ist eher selten.


Dann zu den letzten Punkten, dass man eigentlich nicht viel zu tun hat und man ganz groß rauskommt: 

Man hat also nicht viel zu tun? Ich veröffentliche Ausschreibungen, lege Konditionen fest, korrespondiere mit Fotografen und Auftraggebern, erstelle Konzepte, Outfitzusammenstellungen und Make-ups, koordiniere Termine und Örtlichkeiten und muss dabei immer im Blick haben, wann ich regulär zu arbeiten habe und eventuell noch etwas anderes zu tun habe. Bahnverbindungen müssen gecheckt werden etc. Ohne Terminkalender geht gar nichts und ohne genaue Absprachen sowieso nicht. Bevor es zu einem Shooting kommt, muss man also entsprechend Vorarbeit leisten. Denn in den allerwenigsten Fällen ist es so, dass der Fotograf alles hat, was er für ein Shooting braucht. Auch eine Visagistin, die das Make-up und Haare macht, gibt es so gut wie nie. Für all das bin allein ich verantwortlich, aber das zahlt auch meine Arbeit aus. Je besser ich organisiert bin, desto einfacher geht es irgendwann von der Hand.

Das Thema Geld hatte ich weiter oben schon einmal angesprochen: Man verdient nicht unbedingt immer Geld, aber vieles ist eben auch davon abhängig, was man eigentlich möchte. Wenn mir die Arbeiten von Fotografen zusagen und ich ein Projekt als interessant erachte, bin ich daran interessiert, Bilder für mein Portfolio zu haben. In diesem Falle spricht man von einer Sedcarderweiterung und man shootet auf TFP-Basis. Im großen und ganzen bedeutet das, dass jeder seine Kosten selbst trägt und beide Parteien die gleichen Rechte an den Bildern haben. Und weil man weiß, dass es TFP gibt, bieten sehr viele sogar ausschließlich TFP-Shootings an. Fotografen wollen Modelle oftmals gar nicht bezahlen – aus welchen Gründen auch immer, diese mögen vielfältig sein. Ich als Model möchte dann bezahlt werden, sobald die Bereicherung der Sedcard einseitig ist. Das mag jetzt sehr arrogant klingen, aber eigentlich ist das ganz plausibel: Wenn ich qualitativ hochwertige Bilder im Portfolio habe, dann möchte ich diese Qualität beibehalten. Ein Amateur- oder Anfängerfotograf wird mir diese in den aller seltensten Fällen bieten können, also ist es nur verständlich, wenn ich ein TFP-Shooting ablehne und anbiete, mich zu buchen. Pay-Shootings dienen mir eher dazu, Kosten wieder einzuholen. Denn man muss bedenken, dass man Fahrten bezahlen muss, entsprechende Outfits, die man sich gekauft hat oder anderweitige Produkte. Da macht es hin und wieder Sinn, Pay-Shootings anzubieten oder anzunehmen.

Als Model ganz groß rauszukommen ist ebenfalls etwas schwierig. Da kommen wieder die Agenturen ins Spiel oder aber man hat einen tollen Fotografen oder Auftraggeber, der viele Leute kennt, die daran interessiert sind, eine Person zu vermarkten. Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich vorhabe, berühmt zu werden oder hauptberuflich durchzustarten. Wenn man sich jetzt den Artikel durchgelesen hat, kann man sich sicherlich die Antwort darauf selbst geben. Ich in meinem Fall kann nur sagen, dass ich nicht daran interessiert bin, sonderlich berühmt zu sein. Ich liebe das, was ich mache, weil ich daran Spaß habe und ich meine Persönlichkeit entfalten kann. Die Arbeit vor der Kamera – egal ob als Model oder Darstellerin – dient mir zum Ausgleich. Ich habe einen Hauptjob, mit dem ich Geld verdiene und das ist gut so. Ich weiß, was ich möchte und wie weit ich gehen möchte, kenne meine Grenzen und das ist sehr wichtig, wenn man in dem Bereich tätig sein will. Wichtig ist, sich immer wieder neu entdecken und dazulernen zu wollen. Man muss mit Absagen klarkommen können und kritikfähig sein, denn als Typ passt man eben nicht immer. Wenn es um einen Job geht, darf man nicht kleinlich sein wenn es um das Outfit oder Make-up geht. Da geht es weniger darum, was man selbst will sondern eher darum, was der Auftraggeber will. Hin und wieder in die sauren Apfel zu beißen, gehört also ebenfalls dazu.

Vielleicht konnte ich mit diesem Beitrag mal ein anderes Bild davon vermitteln wenn es darum geht, als Model vor der Kamera aktiv zu sein. Die wenigsten Menschen wissen, was es wirklich heißt und werden durch die Medien stark beeinflusst und manipuliert. Es geht nicht immer alles flüssig und Hand in Hand. Mal sind die Zeiten gut und mal weniger gut. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, seine eigene Sicherheit zu schaffen. Jedenfalls sehe ich das so.

Wer noch mehr darüber wissen will oder sogar eine bestimmte Frage hat, dem steht es jederzeit frei, mich über das Kontaktformular - siehe ganz unten im Blog - zu erreichen. Ich werde die Nachricht so schnell es geht beantworten.


Liebe Grüße

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